In der freien Natur leben die Urahnen unserer Hühner im Freien wie heute noch Fasane und Bankiva Hühner. Nachts konnten die Tiere auf Bäumen übernachten und waren somit vor vierbeinigen Raubtieren und Greifvögeln geschützt. Durch das relativ dichte Blätterdach waren sie vor Regen gut geschützt.

Bei im Freien lebenden Tieren war auch das Federkleid so ausgebildet, dass es die Hühner auch bei stärkerer Nässe schützte.

In der Steiermark wurden Altsteirer ohne Ställe gehalten. Lediglich wurde ein offener Unterstand aus Holz und Laub angeboten. Dadurch waren die Tiere vor Nässe einigermaßen geschützt.

Bei meinen Fasanen stelle ich immer wieder fest, dass sie grundsätzlich außen schlafen. Das angebotene Schutzdach nutzen sie nicht. Oft haben sie bei Schneefall eine Eisdecke auf dem Gefieder.

Wofür benötigt man heute Ställe und Ausläufe?

Durch Kreuzungen gibt es heute eine Vielzahl von Zwerghühnern und großen Hühnern, die bei einer reinen Haltung ohne Ställe nicht überleben könnten. Sie können nicht auf Bäumen aufsitzen (wie z.B. Chochin, Brahama, Seidenhühner etc.) und sind so dem Raubzug ausgesetzt.

Ebenso hätten die Tiere ohne Ställe gesundheitliche Probleme, weil die natürliche Auslese heute nicht mehr für die Zucht maßgebend ist.

Wir verwenden auch für die Zucht Tiere, die dem Standard entsprechen, aber nicht unbedingt die gesundheitlich besten Tiere sind.

Wie soll der Stall nun aussehen?

Zu berücksichtigen ist, dass alle Tiere unter Umständen, wie in der gegangenen Zeit, im Stall verbleiben müssen. Auf einer Fläche von 4 m² sollten nicht mehr als 2 – 3 große Hühner und nicht mehr als 4 – 5 Zwerghühner untergebracht werden.

Der Stall hat mehrere Funktionen:

1. Er soll die Hühner gegen die äußeren Einflüsse der Witterung schützen.

2. Er sollte das Krähen der Hähne, insbesondere am Morgen, für nahe Nachbarn erträglich machen.

3. Futterstelle und Tränken sollten immer im Stall aufgestellt werden. Dadurch wird verhindert, dass die Futter- und Wasserstelle durch Wildvögel verunreinigt wird.

4. Verhinderung von Besuchern durch Raubzug.

Der Stall kann aus Holz, aus Stein oder sonstigen witterungsbeständigen Materialien, aber dennoch Feuchtigkeit durchlässigem Material, bestehen. In jedem Fall ist zu beachten, dass für feste Bauten eine Baugenehmigung eingeholt werden muss. Es empfiehlt sich, vor Baubeginn die Vorschriften für den Bau solcher Bauten durchzulesen. Auch fertige Holzgebäude benötigen eine Genehmigung. Der Boden und die Wände sollten so ausgebaut werden, dass weder Nässe noch unkontrollierte Außenluft einströmen und dadurch Zugerscheinungen auftreten können. Eine Wärmeisolierung ist nicht notwendig. Natürlich muss für eine gute Belüftung des Stalls gesorgt werden. Die Tiere geben in der Nacht reichlich Feuchtigkeit und verbrauchte Atemluft ab. Saubere Atemluft unterstützt die Gesundheit der Tiere. Eine Querlüftung ist anzustreben. Über dem Kotbett sollte an der Decke in der Außenwand eine genügend große vergitterte Öffnung angebracht werden. Frischluft sollte idealer Weise an der gegenüberliegenden Seite über dem Boden angebracht werden. Durch die Wärme der Tiere entsteht eine Thermik, die dafür sorgt, dass der gesamte Stall ausreichend durchgelüftet wird. Was im Stall nicht fehlen darf, ist eine ausreichende Belichtung. Fenster sollten möglichst groß sein und idealerweise nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgerichtet sein. Aus Schallschutz technischen Gründen können die Fenster in der Nacht durch Rollladen oder Läden verschlossen werden. Bei großer Wärme kann das Fenster zur zusätzlichen Lüftung offen gehalten werden. Wenn das Fenster in den Auslauf mündet, kann auf eine Vergitterung verzichtet werden. In jedem Fall sollte auch eine künstliche Beleuchtung eingebaut werden. Hilfreich ist auch eine Doppelsteckdose um Arbeiten mit elektrischen Geräten auszuführen. Im Winter kann hier auch ein Tränkenwärmer angeschlossen werden. Die einschlägigen Vorschriften für die Elektroarbeiten sind für einen Stall einzuhalten. Der Boden aus Holz oder Estrich muss in jedem Fall glatt sein. Dadurch wird die Reinigung mit einem Schabeisen wesentlich erleichtert. Für die Nacht sollten die Tiere über einer Kotgrube sitzen können. In der Nacht wird viel Kot abgesetzt. Oft wird auch der Blinddarm entleert, was eine besonders große Kotmenge ist. Die Tiere sollten den Kot nicht belaufen können. Nach meinen Erfahrungen sollten die Nachtsitzstangen 8 -10 cm breit sein. Die Tiere sitzen dadurch ruhiger. Die Kotgrube sollte leicht zu reinigen und eine regelmäßige Kotbereinigung sollte selbstverständlich sein.
Beim Einstreu gibt es verschiedene Materialien. Alle feuchtigkeitssaugenden und nicht scharfkantigen Materialien sind geeignet. Holzspäne von einheimischen Bäumen eignen sich gut und sind preiswert. Allerdings besteht hier der Nachteil, dass die Späne lange Zeit zum Verrotten brauchen. Besser geeignet sind Materialien von gehäckseltem Stroh, Hanf oder Leinen. Diese nehmen gut die Feuchtigkeit auf. Nach persönlicher Erfahrung verreibt Leinenstroh durch seine harten Anteile den trockenen Kot sehr gut. Er fällt dann nach unten auf den Boden durch und kann durch Industriestaubsauger gut aufgesaugt und entsorgt werden. Auf Torf sollte aus Umweltschutzgründen verzichtet werden. Die Materialien können recht frühzeitig als halbverrotteter Dünger im Garten verwendet werden.

Wer einen genügend großen Stall hat, kann immer auch eine ca. 1 m² große Stelle mit einem trockenem Sand/Lehmgemisch einrichten. Die Tiere haben hier die Möglichkeit ihr beliebtes Staubbad einzunehmen. Für die meisten Hühner sind Nester für die Eiablage wichtig. Die Anzahl richtet sich nach der Menge und Größe der gehaltenen Hühner.
Tränken sollten immer erhöht aufgestellt werden. Ich habe die beste Erfahrung mit kleinen Hockern mit 3 oder 4 Beinen und einem Gitterrost bzw. mit einer Kunststoffplatte gemacht. Den Hocker stelle ich in eine flache Blechwanne z.B. Baublech, damit Spritzwasser aufgefangen wird und nicht im ganzen Stall verteilt wird. Auch kann man die Tränken auf einem Regalboden über dem Boden an der Wand befestigen. Die Höhe richtet sich nach der Hühnergröße. Die Tränken sollten nicht in der Mitte des Stalls aufgehängt werden. Wenn die Tiere unruhig sind oder sich jagen, wird das Wasser im Stall verspritzt.
Ich empfehle für ca. 1 -4 Zwerghühnern 3-Liter-Tränken. Bei großen Hühnern oder einer größeren Anzahl von Zwerghühnern reichen 6-Liter-Tränken. Bei großen Herden können auch 10-Liter-Tränken eingesetzt werden. In jedem Fall sollte Kunststoff verwendet werden. Beim Kauf sollte auch auf eine gute Handhabung und möglichst gute und einfache Reinigung geachtet werden. Eine 10-Liter-Tränke wiegt bis zu 12kg. Andere Materialien für Tränken sind nicht zu empfehlen. Glas kann zu schnell zerbrechen, verzinkte Behälter oxidieren und sind schwer zu reinigen. Wer Tränken auch im Außenbereich aufstellen will, muss beachten, dass sich durch Sonneneinstrahlung Algen bilden, die giftig sein können. Der Platz unter den Tränken sollte aus einer Steinfläche bestehen, damit hier keine ständig feuchten Plätze entstehen, die nicht gerade gesundheitsfördernd ist.
Als Futtergefäße sollten handelsübliche Futterrinnen genutzt werden. Zu bevorzugen sind Kunststofftröge die gut gereinigt werden können. Auch der Futtertrog sollte erhöht über dem Einstreu aufgestellt werden. In meinen Ställen habe ich Kunststoff-Regenrinnen eingebaut. Die Rinnen können in der Höhe, für die Tiere entsprechend angepasst, eingebaut werden. Die Rinnen aus Kunststoff, ohne viel Ecken und Kanten, sind leicht zu reinigen. Hier hat auch Ungeziefer kaum Versteckmöglichkeiten. Einen Teil der Rinnen kann ich über Kunststoffrohre von außen füllen. Die Rinnen sind dazu leicht schräg angeordnet. Befindet man sich im Urlaub, hat der Nachbar es einfacher die Tiere zu füttern, ohne dass jedes Mal der Stall betreten werden muss. Dadurch, dass die Rinnen an der Wand befestigt werden, haben die Tiere mehr freie Stallfläche zur Verfügung.
Die Ausläufe für Hühnerkönnen nicht groß genug sein. Im Idealfall befinden sich in einem Auslauf Bäume oder Sträucher, unter denen die Tiere Schatten finden und vor Greifvögel Schutz suchen können. Hier finden sich auch Scharrbereiche und Ruhe-oder Schattenplätze. Hühner scharren sich gerne Löcher um sich bei höherer Lufttemperaturen Kühlung zu verschaffen. Raubzeug hat natürlich gute Zugänge um sich die eine oder andere Mahlzeit zu holen. Aber wer hat schon so viel Platz.

In den meisten Fällen hält man die Tiere in einer umzäunten Fläche, die sinnvollerweise auch nach oben durch ein Netz gesichert wird. Das Netz sollte grobmaschig sein, damit Greifvögel und Füchse nicht eindringen können. Jeder Boden ist durch das Belaufen der Hühner belastet. Da die Tiere scharren, ist der Auslauf schnell umgearbeitet. Hühner fressen im Gegensatz zu Gänsen kein Gras. Durch das Scharren versuchen sie fressbares im Boden zu finden. Die Grasnarbe wird durch das Scharren schnell zerstört.Kleinere Ausläufe sollten aus Sand oder Mulch bestehen. Reiner Erdboden verschmutzt und verschlammt. Sand und Mulch können ausgetauscht oder hin und wieder ergänzt werden. Durch die Aufstallungspflicht kann auch ein Teil des Auslaufes mit einer Plane überdacht werden. Der freie Raum kann durch ein Netz von der übrigen Fläche abgeteilt werden. Somit haben die Tiere auch bei der Aufstallungspflicht die Möglichkeiten nach draußen zu kommen. Diese empfiehlt sich besonders bei kleinen Ställen und Ausläufen.

Dieser Vortrag kann Ihnen nur einen Anstoß geben. Insbesondere beim Stallbau bedarf es einer sachlichen Planung. Es gibt einschlägige Literatur zum Nachlesen mit entsprechenden Bauanleitungen. Soweit es mir möglich ist, kann ich euch durch Dokumentationen Hilfe anbieten. Selbstverständlich stehe ich auch mit Rat gerne zur Verfügung.

Peter Miebach